In Bad Münstereifel wurden zwei Stolpersteine neu verlegt, die während der Flutkatastrophe 2021 mitgerissen worden waren. Mit einer Gedenkfeier erinnerte die Stadt an Lena Levy und Sibilla Wolff, zwei Frauen jüdischer Herkunft, die 1942 Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.
Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian hob in ihrer Ansprache die Bedeutung des Erinnerns hervor: „Mit der Verlegung der Stolpersteine setzen wir ein Zeichen – gegen das Vergessen und für eine aktive Erinnerungskultur zur Stärkung unserer Demokratie.“ Sie machte deutlich, dass Ausgrenzung, Hetze und die Diskreditierung staatlicher Institutionen damals wie heute gefährliche Mechanismen seien. Deshalb sei es Aufgabe aller, Haltung zu zeigen und aktiv gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung einzutreten.
Lena Levy wurde am 27. September 1942 im Ghetto Theresienstadt ermordet. Ihre Verwandte Sibilla Wolff starb wenige Tage zuvor im Vernichtungslager Maly Trostinez bei Minsk. Sie stehen stellvertretend für die 37 jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Bad Münstereifel, die der Shoah zum Opfer fielen.
Die Archivarin der Stadt, Anna Rosemann, trug Passagen aus den Erinnerungen von Walter Frankenstein vor. Das jüdische Ehepaar überlebte mit seinen beiden Kindern im Berliner Untergrund. Walter Frankenstein, der im April dieses Jahres mit 100 Jahren verstarb, warnte zeitlebens vor Antisemitismus, Fanatismus und dem Erstarken extremistischer Strömungen. Mit ihren Erinnerungen wollten die Frankensteins besonders junge Menschen ermutigen, Haltung zu zeigen und Widerstand gegen menschenfeindliche Ideologien zu leisten.
Viele Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Gedenkfeier am Entenmarkt teil. Besonders erfreulich war die Anwesenheit von drei Schulklassen des St. Michael-Gymnasiums, die gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern spontan beschlossen hatten, die Stolpersteinverlegung zu begleiten.
„Die Stolpersteine sind zu wichtig, um sie den Fluten zu überlassen“, betonte Bürgermeisterin Preiser-Marian. Ihre Wiederverlegung sei ein klares Bekenntnis Bad Münstereifels gegen Menschenfeindlichkeit und das Erstarken rechten Gedankenguts.